Die Antwort ist Liebe 01.08.2010

Ich habe den Beruf der Übersetzerin und Dolmetscherin gelernt. Worte sind mir wichtig. Ich versuche immer, das richtige Wort zu finden, für das, was ich ausdrücken möchte. Es gibt bei mir niemals ein „das habe ich aber anders gemeint“.

Wenn wir uns nur an das Wort halten, vor allem, wenn es aus einer anderen Sprache übersetzt wird, kann dies nicht die Wahrheit sein. Der Sinn wird deutlich, wenn wir eine Sprache nicht sprechen, sondern fühlen. Das gilt um so mehr für eine fremde Sprache.

Ich wurde im katholischen Glauben erzogen. Und erkannte bald, dass die Bibel nicht im Wort, sondern im Sinn verstanden werden muss. Der geht aber häufig verloren. Ich wollte wissen, wie dies in den anderen Religionen ist, arbeitete mich mühsam durch verschiedene religionswissenschaftliche Bücher. Ich suchte den gemeinsamen Nenner und fand ihn auch.

Alle Religionen, große und kleine, haben Eines gemeinsam: Die Liebe!

Inzwischen weiß ich, dass ich da nichts Neues entdeckt hatte, denn schon Gandhi sagte 1940:

Nachdem ich die wichtigsten Religionen,
soweit es mir möglich war,
studiert hatte, kam mir der Gedanke,
es müsse einen Hauptschlüssel geben,
der die allen Religionen zugrunde liegende Einheit erschließen könnte,
sofern es sinnvoll und notwendig ist,
eine Gemeinsamkeit zu entdecken.
Dieser Schlüssel ist Wahrheit, Gewaltlosigkeit und Liebe.

Und Martin Luther King jr. sagte unter Anderem 1955:

Gebt der Versuchung der Verbitterung nicht nach. Wenn ihr euch für Gerechtigkeit einsetzt, tut dies mit Würde und Disziplin. Benutzt nur die Werkzeuge der Liebe.

Ich weiß, dass der Schmerz über die Geschehnisse während der Loveparade in Duisburg unendlich ist. Die Wut, die Enttäuschung über Menschen, die Verantwortung erst einmal von sich weisen, dem Anderen zuschieben, will und muss sich Luft machen.

Trotzdem war ich entsetzt über die wütenden Worte während der Demonstration am Donnerstag. Es wurden Fehler gemacht, es wurden nicht die richtigen Worte gefunden, ein Dialog ist dringend nötig. Wut ist zwar verständlich,  hilft hier aber nicht weiter. Rache macht den Schmerz nicht kleiner, sie lenkt nur erst einmal ab von diesem erdrückenden Gefühl der Ohnmacht.

Der sinnlose Tod von jungen Menschen darf nicht noch sinnloser werden.

 


Loveparade Duisburg 28.07.2010

Es sollte ein großes Event werden, Spaß, Lachen, Tanzen, Feiern.

Für Viele wurde es zu einem Tag des Grauens, des Schmerzes, der Hilflosigkeit.

Für die Meisten ist danach nichts mehr wie es vorher war.

Eltern, die stundenlang vergeblich versucht hatten, ihre Kinder zu erreichen, in Angst, Sorge und Verzweiflung.

Junge Menschen, die Todesangst hatten, die sich Hilfe erhofften und nicht bekamen.

Junge Männer und Frauen, die vielleicht über einen anderen Menschen hinweg steigen mussten, nicht anders konnten, die jetzt Schuldgefühle haben und doch wissen, dass der Überlebenskampf ist ein Urinstinkt ist. Er entzieht sich der verstandesmäßigen Kontrolle.

Aber das Entsetzen bleibt.

Manche werden die Bilder nicht mehr los, die Schreie, das Chaos, die Panik.

Manche haben ihre Lieben verloren und spüren die Leere, den ohnmächtigen Schmerz.

Wieder andere haben von all dem gar nichts mitbekommen. Sie waren wenige Meter weiter, lachten, tranken, feierten. Sie fühlen Scham, sie fragen sich: wieso habe ich nichts gespürt?

Und alle suchen einen Ausweg aus den überwältigenden Gefühlen von Ohmacht, Verzweiflung und Wut.

Sie suchen die Schuldigen, wollen Bestrafung, Vergeltung.

Und doch kann nichts den eigenen Schmerz lindern, das Ganze ungeschehen machen, die Toten zurück holen.

Das Leben geht weiter. Geht das Leben weiter?

Manchmal tut es gut, zu reden. Alles in Worte zu fassen, immer wieder.

Wenn Sie niemanden haben, von dem Sie Verständnis und Teilnahme spüren, können Sie gerne mit mir sprechen.

Manchmal braucht es aber mehr. Wenn Sie sich selbst nicht mehr wieder erkennen. Wenn Sie aus dem Gefühlschaos nicht mehr heraus finden. Wenn Sie Schuld spüren oder Scham, wenn...

Rufen Sie mich an, schreiben Sie mir oder vereinbaren Sie einen Termin, natürlich auch abends oder am Wochenende.